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Selten
begegnen wir authentischen Menschen. Silvia Lameraner, die Wirtin
vom "Yberg" über Wattwil, ist ein derartiger Mensch.
Sie lebt aus sich, wirkt in keiner Weise fremdbestimmt. Von Gästen
wegen der nahen Burgruine oft "Burgfräulein" genannt,
nimmt Frau Lameraner nie ein Blatt vor den Mund, erachtet jeden
Gast als Besucher, geht auf ihn ein und geizt, falls erwünscht,
keineswegs mit Tips, was das Leben ihres Gegenübers betrifft.
Und wer den "Yberg" verlässt, dürfte bald
erneut zur schön gelegenen "Burg" hochfahren oder
besser zu ihr hinauf wandern und in der Gaststube, in der "Hütte",
im Park und in der von Bäumen beschatteten Gartenwirtschaft
stets Neues entdecken, Antiquitäten etwa, beim ersten, zweiten
oder dritten Besuch übersehene Bilder, Fotos, Tiere, Pflanzen,
Bäume, ebenso rätselhafte Skulpturen, Gehege, wunderschöne
Tische, uralte Grammophone, Bücher, anderswo ausgestorbene
Vogelarten oder im Garten ein geheimnisvolles Glas, dessen Funktion
Frau Lameraner Ihnen gern erklärt.
Heidy Gasser,
Viviane Egli, Daniele Muscionico und Werner Bucher versuchten
aus verschiedenster Optik und in ihrer je eigenen Sprache, sich
mit der mutigen, Vergangenem und Gegenwärtigem zugewandten
Frau journalistisch auseinanderzusetzen. Daraus wuchs, nicht zuletzt
dank der Fotografen Markus Ammann, Walter Kurz und Rolf Senn,
das faszinierende Bild einer älteren, unglaublich jung gebliebenen
Dame. "Wo mini Stube isch, bin ich dehaime" gehört
zu den Büchern, die trotz vielen Gefährdungen Lebensfreude
vermitteln. Dies besonders, weil man auf jeder Seite einem Menschen
begegnet, der zwar ungute Zustände, Verhaltensweisen durchaus
anprangert, aber weiss, dass Glück und Freude wenig mit Zufall
und äusseren Umständen zu tun haben. "Jeder hat
das Schicksal, das er verdient", sagt unsere Wirtin. Zu Recht.
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