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Zweisprachig
lernen die Freunde heutiger Poesie in "Budapest, ich kann
nicht deine Hure sein" die ungarische Lyrikerin Agnes Rapai
kennen. Sie liebt, hasst und verachtet zugleich die Stadt, in
der sie lebt, und entflieht in Gedanken und manchmal auch sehr
real immer wieder an andere Orte der Welt.
Und noch mehr als in ihrem ersten auf deutsch übersetzten
Gedichtband "Spaziergang mit Hölderlin" erweist
sich diese Dichterin als lasziv, aggressiv und zugleich als überaus
feinfühlig, dem Moment verschrieben. Sie provoziert (auch
literarische) Spiesser, kommt im Gewand einer Dirne daher
und ist doch unkäuflich. Einflüsse von allen Seiten
scheinen in ihren Gedichten auf; und sie haben trotzdem jenen
rapaischen Ton, der ihre Poesie seit je auszeichnet. Sie umkreist
und fängt ein, was sie beschreiben will, entdeckt wie Baudelaire,
freilich im Hier und Jetzt, dass auch Hässliches seine poetischen
Schönheiten hat: "und jetzt stehe ich da in der madonnahaften
wäsche der Yvonne herzogin / von burgund in der faust deines
blickes inmitten des / ersten aktes mit Julias verdorbenem lächeln".
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