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Mach
die Linsen scharf: Der Titel des ersten Gedichtbandes von Ernst
Nef scheint bereits zu verraten, worum es in diesen Gedichten
gehen könnte. Die Augen öffnen, die Welt durchschauen.
Aber der Appenzeller, der im Kanton Zürich lebt, weiss, dass
der Titel durchaus anders verstanden werden kann, im Zusammenhang
mit Linsengericht. Nef ist alles andere denn ein Programmdichter.
Zwar kann er bitterböse sein, handkehrum spielt und schabernackt
er aber mit der Sprache, kreiert Wortschöpfungen und macht
allfällige Neunmalkluge zum Narren, die glauben, den tieferen
Sinn eines Nef-Gedichtes soeben für alle Zeiten entdeckt
zu haben. Besser also, man freut sich einfach über seine
Zeilen: Da "gurgelt" ein Du "im Abfluss",
dort wird im Auto gesungen, anderswo "entscheidet die Attraktivität
des Slip über die Nachfrage" oder ein "verschollenes
Traumtier schleicht truglos mitten ins Herz". Zynisch kann
Nef trotzdem sein: "Nimm deinen Hund / an die Leine, schneidiger
Jäger / sonst kraul' ich ihm traulich unterm Hals / und jage
ihm all die Angst ein / die er vor dir hat". Finden Sie bitte
selber heraus, wo Ernst Nef sich fröhlich gibt und wo er
mit dem Zeigefinger meint, so nicht, meine Damen und Herren. Auf
alle Fälle bereitet es Spass, seine Gedichte zu lesen. Sie
wecken uns, öffnen Türen.
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