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Heidy Gasser

Saure Suppe
Eine Lebensgeschichte

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   Romane und Erzählungen

114 Seiten, mit Fotos
ISBN 3-85830-073-X
CHF 32.-
EUR 18.50

Etliche Söhne und Töchter haben über ihre Mütter oder Väter geschrieben. In diesem Buch aber überlässt die Tochter das Wort fast ausschliesslich der Mutter. Ohne etwas zu beschönigen oder zu verändern, gibt die junge Obwaldner Dichterin ihrer Mutter Gelegenheit, in einer kargen Sprache über ein ebenso karges Leben als Kind und junge Frau in der Steiermark zu berichten, ehe es in der Schweiz, in Lungern, seine Fortsetzung fand. Gery Dillier meint dazu: "Erinnernd und erzählend durchbricht die Mutter das Dunkel erlittener Sprachlosigkeit."
Dies trifft zu. Mit ihrer "Sauren Suppe" übergibt Heidy Gasser der Öffentlichkeit ein eindrückliches und doch stilles Buch; es führt in eine Welt der Armut und Chancenlosigkeit, die es heute im westlichen Europa nicht mehr gibt, anderswo, etwa im Balkan, aber schon. Und das Wunderbare: Jeder Leser, jede Leserin liest wohl Seite um Seite in einem Zug, weil hier für einmal die Sprache dem Gegenstand entspricht und überdies jegliche Kommentierung entfällt, vielmehr Gewesenes und vermeintlich für immer Verlorenes ins Wort geholt und damit gerettet wird.

Textprobe:
"In der Küche stand ein Bett, hochaufgetürmt, mit einem dicken Strohsack. Dort schlief die Tante Julie. Im Sommer wurde die Matratze hinters Haus getragen, das Maisstroh ausgebreitet und mit Wasser aus der Giesskanne gewaschen. Am Abend, wenn es wieder schön trocken war, wurde es eingefüllt. Dann lag die Tante Julie hoch oben, fast unter der Küchendecke, so dick war die Matratze geworden. Jeden Tag sank das Bett ein bisschen ein, bis es wieder normal hoch war."