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Etliche
Söhne und Töchter haben über ihre Mütter oder
Väter geschrieben. In diesem Buch aber überlässt
die Tochter das Wort fast ausschliesslich der Mutter. Ohne etwas
zu beschönigen oder zu verändern, gibt die junge Obwaldner
Dichterin ihrer Mutter Gelegenheit, in einer kargen Sprache über
ein ebenso karges Leben als Kind und junge Frau in der Steiermark
zu berichten, ehe es in der Schweiz, in Lungern, seine Fortsetzung
fand. Gery Dillier meint dazu: "Erinnernd und erzählend
durchbricht die Mutter das Dunkel erlittener Sprachlosigkeit."
Dies trifft zu. Mit ihrer "Sauren Suppe" übergibt
Heidy Gasser der Öffentlichkeit ein eindrückliches und
doch stilles Buch; es führt in eine Welt der Armut und Chancenlosigkeit,
die es heute im westlichen Europa nicht mehr gibt, anderswo, etwa
im Balkan, aber schon. Und das Wunderbare: Jeder Leser, jede Leserin
liest wohl Seite um Seite in einem Zug, weil hier für einmal
die Sprache dem Gegenstand entspricht und überdies jegliche
Kommentierung entfällt, vielmehr Gewesenes und vermeintlich
für immer Verlorenes ins Wort geholt und damit gerettet wird.
Textprobe:
"In der Küche stand ein Bett, hochaufgetürmt, mit
einem dicken Strohsack. Dort schlief die Tante Julie. Im Sommer
wurde die Matratze hinters Haus getragen, das Maisstroh ausgebreitet
und mit Wasser aus der Giesskanne gewaschen. Am Abend, wenn es
wieder schön trocken war, wurde es eingefüllt. Dann
lag die Tante Julie hoch oben, fast unter der Küchendecke,
so dick war die Matratze geworden. Jeden Tag sank das Bett ein
bisschen ein, bis es wieder normal hoch war."
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