| Liebe
Leserinnen und Leser,
Sie wären kaum auf diese Seite gekommen, wenn Sie nicht am heutigen literarischen Schaffen interessiert wären. Wir sind es ebenfalls. Deshalb geben wir seit 33 Jahren die Schweizer Literaturzeitschrift orte heraus und betreiben seit 31 Jahren den orte-Verlag. In der Zwischenzeit sind 150 orte-Nummern und über 130 Bücher erschienen. Dass ich dies als Herausgeber und Verleger kann, hierfür habe ich nicht zuletzt Redaktoren und Redaktorinnen zu danken. Besonders der heutigen Redaktion; seit Jahren arbeitet sie praktisch in derselben Besetzung meist um Gottes Lohn für orte und für all die Autorinnen und Autoren, die uns Tag für Tag mit Manuskripten eindecken. Auch im Verlag ginge es ohne Mithilfe von Irene Bosshart, Viviane Egli, Virgilio Masciadri und Barbara Traber nie und nimmer. Sie helfen mit, dass unser Buchverlag in den letzten Jahren schwierigste Phasen überstand und weiterhin übersteht.
Dies mag Sie vielleicht wenig interessieren, doch es muss gesagt sein: Sich besonders für Lyrik zu engagieren, käme für einen Einzelnen einem verlegerischen Selbstmordversuch gleich. Aber das "Tip Magazin Berlin" brachte es auf den Punkt. Die uns unbekannte Susann Sitzler schrieb dort abschliessend unter dem Titel "Gipfelkonferenz" über unsere Redaktion: "Die orte-Macher, meist in Städten wohnhaft und in bürgerlichen Berufen arbeitend, sind ein wilder Haufen und sehen auch so aus, wenn man den gelegentlich im Heft gedruckten Fotos glauben darf. Sie schaffen hartnäckig ein Forum für Lyrik und Literatur und lassen sich dabei von nichts und niemandem beirren. Sie treffen sich regelmässig in diesem Appenzeller Berggasthof, um eine absolut eigenwillige, stets bemerkenswerte, manchmal sogar grossartige Lyrik- und Literaturzeitschrift herauszugeben. Und zwar ehrenamtlich und mit diebischem Spass. So sind sie, diese Schweizer. Und das soll ihnen erst mal einer nachmachen!"
Spannweite prägt auch die seit 1984 bestehende "Poesie-Agenda", über die der deutsche Dichter Andreas Noga meint: "Sie werden, wenn Sie diese einmal haben, mit der Lektüre der letzten Seiten nicht bis zum Jahresende warten!" Das dürfte auch jener Besitzer unserer Agenda tun, der unlängst bei seiner Begleichung der Agenda auf dem Einzahlungsschein in Stichworten vermerkte: "Lyrik für den Zauber auch im 2006. Grosser Dank für Ihre Überlebens-Rationen."
Ich glaube, auf das Programm des Verlages dürfen wir stolz sein: Da gibt es etwa die "Zeitzünder"-Reihe, da gibt es die orte-Krimi-Reihe (mit den Longsellern von Jon Durschei und den Frauenkrimis von Sabina Altermatt, Mona Bodenmann, Viviane Egli, Katharina Huter, Gerlinde Michel und Barbara Traber), dann die ausschliesslich heutiger Lyrik gewidmete, in kleiner Auflage gedruckte "fund-orte"-Reihe, in der etwa ein Hans-Rudolf Hilty wieder in seiner Bedeutung als Lyriker entdeckt oder die ungarische Poetin Agnes Rapai deutschsprachigen Lesern nahe gebracht wird. Dazu wären neben Romanen und Wieder-Entdeckungen (Alfonsina Storni, Werner Renfer, Hamo Morgenthaler, Vera Piller) die Trilogie von Heidy Gasser über das Leben ihrer Mutter zu erwähnen bis zu den Büchern über den Chapf-Köbi und die Wattwiler Wirtin Silvia Lameraner, geschrieben von Heidy Gasser, Viviane Egli und Daniele Muscionico.
Besuchen Sie uns in unserer wunderbar gelegenen Wirtschaft "Rütegg" von Oberegg AI, wo in schönster Lage auf 1060 Meter über Meer neben einer herrlichen Aussicht der vielleicht höchstgelegene literarische Verlag Westeuropas auf Sie wartet.
Jetzt aber grüsse ich Sie herzlich aus dem Appenzeller Vorderland
Werner Bucher
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