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    Mit Poesie
    durchs Jahr


    


Wer orte nicht kennt, ist selber schuld!

Keine Frage, orte ist seit 1974 die lebendigste, offenste Literaturzeitschrift der Schweiz, sie kennt keine Einengung, fährt stets mehrgleisig. Diese Spannweite hat auch mit der Redaktion zu tun. Besonders die gegenwärtige garantiert dafür. So chaotisch die Redaktionssitzungen in der Zürcher "Weinstube" auch jeweils verlaufen können, immer wieder erscheint eine neue Nummer, die Leser und Leserin schon vom thematischen Teil her, aber auch auf jenen Seiten überrascht, die wir als Mantel bezeichnen und auf denen Dichter und Dichterinnen Gastrecht erhalten, die nichts oder wenn, nur wenig, mit dem Thema zu tun haben.

Im thematischen Teil jedoch kommen Eulen geflogen, dann wieder werden neue spanische Lyriker entdeckt, hierauf sind historische Romane an der Reihe, dann - nicht zum erstenmal - Mundartdichter aus dem ganzen deutschen Sprachraum, hernach oder davor beschwört Barbara Traber den bedauernswerten, von den damaligen Kulturverwaltern bewusst an den Rand geschobenen Berner Dichter Carl Albert Loosli oder den buchstäblich am Unverständnis seiner Umwelt gescheiterten Jurassier Werner Renfer, dann wieder wird John Erpf, dem Berner Verleger, fern von Ressentiments an den berühmten Kragen gegangen oder es wird Poeten und Poetinnen nachgespürt, die zornig oder demütig gebetet haben oder es weiterhin tun - und immer und immer wieder wird schlicht Poesie vorgestellt, sei es nun solche aus der Beat-Dichtung, von der new sensibility, von Konkreten, Postmodernen oder die unverwechselbare Dichtung von Lyrikern, die sich nie von einer Schule, einer Richtung einnehmen liessen oder weiterhin nie einnehmen lassen (von Cesare Pavese, Orhan Veli Kanik bis zu Beat Brechbühl, Horst Bingel, Claus Bremer, Meret Oppenheim, Vera Piller, der Ungarin Agnes Rapai oder der tapferen Argentinierin Alfonsina Storni, die eigentlich eine Tessinerin gewesen ist).

Wohl kein Zufall, dass stets Lyriker und Dichter der orte-Redaktion angehörten (etwa Vera Piller und Claus Bremer, beide leider verstorben; und heute darf ich mit einigem Stolz Peter K. Wehrli nennen, Ueli Schenker, Jürgen Stelling, Virgilio Masciadri, Erwin Messmer oder Barbara Traber, um den Herausgeber trotz seiner Zurückhaltung nicht zu vergessen). Jeder von ihnen vertritt an den erwähnten redaktionellen Zusammenkünften seine Vorlieben und lässt es zugleich zu, dass er nicht als Alleinseligmachender dominieren kann.

So entstehen unsere orte-Nummern, aus Streit und Liebe zur Poesie, aus Abneigung und Bewunderung - und trotz der natürlich gerechtfertigten und bei jeder Gelegenheit zu hörenden Ansicht, dass Literatur doch selten je das grosse Geld einbringt.

Mit andern Worten: Wer unsere mutigen Zeitschriften- und Büchermacher und vor allem orte nicht kennenlernen will, ist selber schuld. Ebenso all jene, die nach dem Lesen dieser Zeilen nicht schleunigst ein orte-Abonnement bestellen: 5 Hefte (1 Jahresabo) kosten Fr. 60.-, Ausland Europa Fr. 72.-/Euro 41.-, Einzelheft Fr. 14.-/Euro 8.-).

In diesem Sinn freuen wir uns auf Sie als Leser und Leserinnen!

Auch im Namen der Redaktion
Ihr Werner Bucher

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