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orte Nr. 135

z.Zt. nicht im Gespräch

Beispiele aus der Schweizer Literatur

 

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Es gibt Dichter im Abseits, Schriftstellerinnen, die zu den Stillen im Land gehören, Unbequeme und Ungeliebte, Frühbegabte und Frühentdeckte, die mehr oder weniger rasch wieder vergessen werden, und auch viele Schreibende, die erst nach ihrem Tod zu literarischer Anerkennung gelangen ­ wenn überhaupt.
Zufall? Schicksal?

Gründe dafür, weshalb dieses oder jenes Werk, einst hochgelobt, nicht mehr im Gespräch ist, könnten viele genannt werden, aber Verallgemeinerungen sind kaum möglich. Zum Glück gibt es immer wieder Forschende und
Literaturbegeisterte, die sich der "Untergegangenen" annehmen, oft jahrzehntelang recherchieren, im Glücksfall Aussenseiter zu Klassikern machen oder zumindest bewirken, dass ihre Werke wieder gelesen werden ­ wie
etwa Charles Linsmayer, mit seiner verdienstvollen Reihe "Reprinted by Huber".

Trotzdem ist kürzlich ein Rückblick auf sechzig Jahre deutschsprachige Literatur erschienen (Norbert Niemann/Eberhard Rathgeb, Hrsg.: Inventur. Deutsches Lesebuch 1945-2003, Hanser Verlag München 2003), in dem - mit Ausnahme von Frisch und Dürrenmatt - Schweizer Autorinnen und Dichter fehlen, als hätte ausser den zwei Berühmten in unserem Land seit 1945 niemand etwas Nennenswertes geschrieben!

Mir kommt die literarische Wellenbewegung vor wie eine Art "Eile mit Weile". Wer einen Sechser würfelt und z.B. bei einem grossen Verlag veröffentlichen kann, kommt rasch ins Spiel; andere haben weniger gute Startmöglichkeiten oder gar keine Sechser. Doch auch drei Sechser aufs Mal können einen zurückwerfen. Ich denke zum Beispiel an den früh berühmt gewordenen Bruno Schnyder; der Titel seines Erstlings, "Durchbruch zum Abschied", scheint im Nachhinein geradezu Programm.

Die vorliegende Auswahl Dichter und Autorinnen, die wir wieder in die Mitte des literarischen Spielfelds rücken möchten, ist subjektiv, zufällig. Wir wünschen Ihnen Lust auf die Lektüre der zum Teil vergriffenen und der kommenden Bücher, denn Lesen ist immer noch eines der grössten Abenteuer.

Barbara Traber