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Es
gibt Dichter im Abseits, Schriftstellerinnen, die zu den Stillen
im Land gehören, Unbequeme und Ungeliebte, Frühbegabte
und Frühentdeckte, die mehr oder weniger rasch wieder vergessen
werden, und auch viele Schreibende, die erst nach ihrem Tod zu
literarischer Anerkennung gelangen wenn überhaupt.
Zufall? Schicksal?
Gründe
dafür, weshalb dieses oder jenes Werk, einst hochgelobt,
nicht mehr im Gespräch ist, könnten viele genannt werden,
aber Verallgemeinerungen sind kaum möglich. Zum Glück
gibt es immer wieder Forschende und
Literaturbegeisterte, die sich der "Untergegangenen"
annehmen, oft jahrzehntelang recherchieren, im Glücksfall
Aussenseiter zu Klassikern machen oder zumindest bewirken, dass
ihre Werke wieder gelesen werden wie
etwa Charles Linsmayer, mit seiner verdienstvollen Reihe "Reprinted
by Huber".
Trotzdem ist
kürzlich ein Rückblick auf sechzig Jahre deutschsprachige
Literatur erschienen (Norbert Niemann/Eberhard Rathgeb, Hrsg.:
Inventur. Deutsches Lesebuch 1945-2003, Hanser Verlag München
2003), in dem - mit Ausnahme von Frisch und Dürrenmatt -
Schweizer Autorinnen und Dichter fehlen, als hätte ausser
den zwei Berühmten in unserem Land seit 1945 niemand etwas
Nennenswertes geschrieben!
Mir kommt
die literarische Wellenbewegung vor wie eine Art "Eile mit
Weile". Wer einen Sechser würfelt und z.B. bei einem
grossen Verlag veröffentlichen kann, kommt rasch ins Spiel;
andere haben weniger gute Startmöglichkeiten oder gar keine
Sechser. Doch auch drei Sechser aufs Mal können einen zurückwerfen.
Ich denke zum Beispiel an den früh berühmt gewordenen
Bruno Schnyder; der Titel seines Erstlings, "Durchbruch zum
Abschied", scheint im Nachhinein geradezu Programm.
Die
vorliegende Auswahl Dichter und Autorinnen, die wir wieder in
die Mitte des literarischen Spielfelds rücken möchten,
ist subjektiv, zufällig. Wir wünschen Ihnen Lust auf
die Lektüre der zum Teil vergriffenen und der kommenden Bücher,
denn Lesen ist immer noch eines der grössten Abenteuer.
Barbara
Traber
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