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Er ist einer, der zurückkehrt und dennoch unsichtbar bleibt. Der sich uns entzieht, hinter Nebel, Dickicht und vorgefassten Ansichten. Die Rede ist vom Wolf, über dessen Auftauchen in unseren Bergtälern, sofern nicht gerade Haie, Heuschrecken und andere metaphorische Raubtiere umgehen, in den Zeitungen heftig gestritten wird. Passt er in dieses Land, oder ist er eine Gefahr für unsere öffentliche Feld-, Wald- und Wiesenordnung? Uns hat – orte ist schliesslich nicht eine umweltpolitische, sondern eine poetische Zeitschrift – eine andere Frage interessiert: Wie stehen die Dichter zu den Wölfen, wollten wir wissen, was sagen sie zum Widerstreit der Vorurteile?
Und so klopften wir an bei den Schriftstellerinnen und Schriftstellern von heute und von einst – mit überraschender Ausbeute. Den Fabel- und Märchenwolf aus Kindertagen trafen wir natürlich wieder (er scheint sich den Dichtern eingeprägt zu haben), den einsamen Wolf, den reissenden Wolf, die heulenden Wölfe und ihre bereitwilligen oder widerstrebenden Mitheuler. Versteinerte Sprachbilder allesamt, zum Emblem gewordene Tiere – auf den wirklichen Beutegreifer aus dem tiefen Wald warteten wir beinah vergeblich. Ein einziger Poet bewies, dass er einem echten Wolf begegnet war, einem bedauernswerten, ans Rad geketteten Exemplar, das uns auf seiner Fotografie mit der Traurigkeit aller dem Menschen dienstbar gemachten Kreatur entgegenblickt.
Warum diese Scheu der Dichter vor Gevatter Isegrim? Ist er ein antipoetisches Tier? Bereits der erste, der ihn ins Gedicht einführte, der Urvater aller Lyrik, der Römer Horaz, lässt den wilden Graupelz nur kurz durch sein Gedicht springen, um uns zu lehren: der Verseschmied hat von ihm nichts zu fürchten, eher umgekehrt, denn der Wolf läuft vor uns davon. Was zwar zoologisch richtig ist (da der Wolf den Menschen meidet), aber nicht der geeignete Weg, um in der Literatur eine Rolle zu spielen.
So sind die Wolfs-Texte von über zwanzig Autorinnen und Autoren ein vielfältiger poetischer Urwald geworden – in dem sich erst noch so gefahrlos wandern lässt, wie einst in Horazens Sabinerwald. Und mit dem Wolfs-Experten Ralph Manz erinnert uns am Ende ein Kenner der Tierwelt an die Wirklichkeit hinter den Bildern der Poeten.
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